Solar Impulse - mit Sonnenenergie rund um die Erde

2003 initiierte Bertrand Piccard das Projekt Solar Impulse. Ziel war die Weltumrundung mit einem Solarflieger. Noch nie hatte jemand Ähnliches gewagt. Eine der größten Herausforderungen waren die Nachtflüge, die es für die Überquerung der Ozeane brauchen würde. Bisher waren Solarflugzeuge nur bei Sonnenlicht unterwegs. Doch Piccard ist kein weltfremder Träumer. Das hatte er 1999 bewiesen, als er als Erster mit einem Heißluftballon ohne Zwischenlandung die Erde umflog.

Die Rekordflugzeuge

Bereits mit dem 2009 fertiggestellten Prototyp gelangen dem Team um den Schweizer Abenteurer und Psychiater einige Rekorde. Die Solar Impulse 1 war der Solarflieger, der

  • auf der Strecke Madrid–Rabat den ersten Interkontinentalflug durchführte,
  • mit 1116 Kilometern die damals längste Flugstrecke zurücklegte,
  • den ersten Nachtflug bewältigte,
  • mit über 26 Stunden in am längsten in der Luft blieb.

Die Erfahrungen mit dem Experimentalflugzeug flossen in den Bau der Solar Impulse 2, die 2014 ihren Jungfernflug hatte. Ihre technischen Daten sind beeindruckend:

  • Besatzung: 1 Person (Pilot)
  • Länge: 22 m
  • Flügelspannweite: 72 m
  • Gewicht: 2,3 t
  • Solarzellen: 17.248 Stück (hauptsächlich auf der Flügeloberseite)
  • Motoren: 4 Elektromotoren mit je 13 kW Leistung
  • Akkus: 4 Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von je 41 kWh
  • Maximalgeschwindigkeit: 140 km/h
  • Reisegeschwindigkeit: 90 km/h (in der Nacht auf 60 km/h reduziert, um Energie zu sparen)
  • maximale Flughöhe: 8.500 m

In 505 Tagen um die Welt

Am 9. März 2015 war es so weit: Die Solar Impulse 2 startete in Abu Dhabi zu ihrer Weltumrundung. Während 17 Etappen legte der Solarflieger 35.000 Kilometer zurück. Er überquerte vier Kontinente und zwei Ozeane. Das schwierigste und längste Teilstück war der Flug von Nagoya (Japan) nach Hawaii. Während rund fünf Tagen war das Flugzeug ununterbrochen in der Luft. Der Pilot, der nie länger als 20 Minuten am Stück schlafen durfte, brach dabei den bisherigen Weltrekord für den längsten Soloflug. Während dieser Etappe überhitzten die Akkus. Neuentwicklung und Austausch der Stromspeicher dauerten über ein Jahr. Die Solar Impulse 2 musste unterdessen in Hawaii pausieren. Auch das Wetter sorgte immer wieder für Verschiebungen. So musste die Crew in Nanjing (China) über einen Monat warten, bis die Wetterbedingungen einen Start zuließen. Nach 505 Tagen, davon 23 Tage reine Flugzeit, war die Mission am 26. Juli 2016 vollbracht: Bertrand Piccard landete die Solar Impulse 2 wohlbehalten in Abu Dhabi.

Mehr als ein Weltrekord

Piccard ging es bei seiner Weltumrundung nicht primär um das Aufstellen neuer Rekorde. Vielmehr wollte er die Menschen für eine nachhaltigere Energienutzung sensibilisieren. Solar Impulse sollte zeigen, dass sich eine Halbierung des Energieverbrauchs schon mit heutiger Technologie realisieren lässt. Gleichzeitig diente das Projekt dazu, der Luftfahrtindustrie neue Impulse zur Entwicklung emissionsfreier Flugzeuge zu vermitteln. Als Nächstes beschäftigt sich das Team hinter Solar Impulse mit der Entwicklung solarbetriebener Drohnen. Sie sollen künftig Aufgaben übernehmen, die Satelliten nicht bewältigen können.